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Bindungsstörung

Definition und Diagnose

Als Bindung wird eine langandauernde emotionale und nicht auswechselbare Beziehung verstanden (Borg-Laufs, 2001). Je nachdem, welche Bindungsqualität die Kinder erleben, erlernen sie dabei selbst ein Bindungsschema, welches ihr weiteres Kontakt- und Bindungsverhalten entscheidend beeinflusst. Hierbei werden auch der Selbstwert und die Emotionsregulation der Kinder beeinflusst.

Eine Bindungsstörung im Kindesalter kann nach ICD-10 auf zwei Weisen diagnostiziert werden:

 

Reaktive Bindungsstörung des Kindesalters (F94.1)

Diese ist durch Verhaltensauffälligkeiten im sozialen Bereich gekennzeichnet. Die Kinder zeigen bereits im Kleinkindalter ein Verhalten mit sozialen Rückzug, Furchtsamkeit oder Übervorsichtigkeit. Auch kann es zu Aggressionen aufgrund des eigenen Unglücklichseins kommen. Häufig kommt es zu Wachstumsverzögerungen.

Häufige Ursache ist eine schwere elterliche Vernachlässigung, Missbrauch oder Misshandlungen. Die Störung wird auch als Hospitalismus oder Deprivationssyndrom beschrieben.  

 

Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung (F94.2)

Diese Diagnose beschreibt ein nicht der Norm entsprechendes Verhaltensmuster, das sich bereits im Kleinkindalter zeigt und auch trotz einer Milieuänderung bestehen bleibt.

Die betroffenen Kinder zeigen ein unklares Bindungsverhalten, indem sie eine abnorme Wahllosigkeit für Personen zeigen, bei denen sie Trost suchen oder sich ausgeprägt anklammern.

Ungefähr ab vier Jahren zeigt sich ein unterschiedslos freundliches Verhalten. Es können aber auch große Schwierigkeiten bestehen, vertrauensvolle Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen.

Bindungsstörungen haben ihren Ursprung in der frühen Kindheit, wenn die Eltern unzuverlässig, unangemessen und wenig feinfühlig auf die Signale des Kindes reagieren. Eltern, die zum Beispiel psychisch krank sind oder ein Drogen -oder Alkoholproblem haben, reagieren wenig feinfühlig und nehmen die Signale des Kindes nicht war, oder sie reagieren auf die falsche Weise. So wird dann zum Beispiel ein kindliches Unmutssignal als Hunger gedeutet, und das Kind lernt so nicht, welches eigene Verhalten ein bestimmtes Verhalten bei den Eltern auslöst.

Therapie

Die Psychotherapie bei Bindungsstörungen erfordert häufig viel Zeit, da die Psychotherapie selbst zu einer neuen Bindungserfahrungen werden sollte. Für die praktische therapeutische Arbeit bedeutet das, dass versucht wird eine „therapeutische Bindung“ einzugehen, in welchem eine offene, wertschätzende und einfühlsame Haltung des Therapeuten von entscheidender Bedeutung ist. Diese neuen Bindungserfahrungen erlebt das Kind als neue, sichere Bindungserlebnisse, was dann als heilsam erlebt wird. Der Therapeut fungiert hier sozusagen als sichere Basis, vorausgesetzt, die Therapie ist ausreichend lange und wird nicht unterbrochen. Am Ende der Therapie ist eine behutsame Auflösung der therapeutischen Beziehung wichtig. Da Kinder mit Bindungsstörungen neue Bindungsangebote meist abwehren, bedarf der Behandlung der Bindungsstörung viel Erfahrung. Bei der Therapie von Bindungsstörungen sind folgende Eckpfeiler von Bedeutung:

  • Abklärung, welche Bedingungen die Eltern bieten, die Besserungschancen erkennen lassen.
  • Eltern-Kind-Therapie zur Veränderung der Interaktionen
  • Elternberatung, bei denen die Eltern in kleinen Schritten lernen, sich angemessen mit dem Kind zu beschäftigen. Hierbei wird auch trainiert, die Signale des Kindes richtig zu erkennen und darauf angemessen zu reagieren.
  • Häufig wird mit Videoaufnahmen, bei denen das häusliche Familieleben aufgenommen wurde, gearbeitet. Diese werden dann mit den Eltern besprochen.