Lara – Buchstaben und Mut


Lara war ein stilles, kluges und feinfühliges Mädchen. Schon früh fiel auf, dass sie sich schwer tat mit dem Lesen und Schreiben – Buchstaben vertauschte, Wörter vergaß oder lange zögerte, bevor sie etwas vorlas. Ihre Eltern erlebten sie zuhause als aufmerksam, hilfsbereit und sensibel, aber auch schnell verunsichert, wenn sie das Gefühl hatte, etwas nicht richtig zu machen. 

Als Lara neun Jahre alt war, kam sie in die vierte Klasse. Ihre Lehrerin, Frau Müller, galt als engagiert, aber sehr leistungsorientiert. Für Lara, die ohnehin schon mit Lese-Rechtschreib- Schwierigkeiten und einer Aufmerksamkeitsproblematik (ADD) zu kämpfen hatte, wurde der Schulalltag zunehmend belastend. Sie gab sich Mühe, aber das hohe Tempo und die ständigen Vergleiche mit anderen Schülern setzten sie unter Druck. Wiederholte negative Bemerkungen über ihre „schlampige“ Arbeit führten dazu, dass Lara sich immer mehr zurückzog und an sich selbst zu zweifeln begann. 

Die Eltern suchten schließlich professionelle Hilfe. Nach ausführlicher Diagnostik zeigte sich eine kombinierte Lese-Rechtschreibstörung mit Aufmerksamkeitsdefizit ohne Hyperaktivität. Die emotionale Belastung, die sich im Hintergrund aufgebaut hatte, war dabei mindestens ebenso bedeutsam wie die Lernschwierigkeiten selbst. Die Behandlung wurde behutsam und mehrstufig angelegt: zunächst schulische und logopädische Förderung zur Verbesserung der Lese- und Rechtschreibkompetenz, flankiert von spieltherapeutischen und psychotherapeutischen Elementen, um das fragile Selbstwertgefühl zu stabilisieren. 

Parallel arbeiteten Eltern und Schule eng zusammen, um Überforderung zu vermeiden und kleine Fortschritte gezielt zu bestärken. In Fällen wie dem von Lara setzen wir ergänzend – und erst nach sorgfältiger Beobachtung – auch niedrig dosiertes Methylphenidat ein. Dies geschieht ausschließlich an Schultagen, begleitet durch regelmäßige Kontrollen alle sechs Wochen. Dabei werden Rückmeldungen von Eltern und Schule ausgewertet, Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen geprüft und gegebenenfalls Auslassphasen eingelegt. 

Besonders bei Kindern wie Lara, bei denen die Aufmerksamkeitsschwäche mit einer ausgeprägten Selbstwertproblematik einhergeht, kann eine zeitlich begrenzte medikamentöse Unterstützung helfen, den Kreislauf aus Misserfolg und Selbstzweifel zu durchbrechen. Sobald sich die Symptomatik bessert, wird die Dosis schrittweise reduziert oder das Medikament abgesetzt. Im Verlauf lernte Lara, ihre Aufgaben strukturierter anzugehen und sich Pausen zuzugestehen, ohne sich zu schämen. Ihr Lächeln kam zurück. Mit wachsender Sicherheit entwickelte sie Freude am Lernen – und den Mut, sich auch dann etwas zuzutrauen, wenn es schwerfällt.

Einzeltherapie

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