Es beginnt, wie solche Dinge immer beginnen: banal.
Ein Café. Ein Kaffee. Ein Becher.

Der Becher ist das Problem.

Nicht sofort. Erst, als ich mich setzen will. Da taucht er auf. Der Chef. Breite Schultern, klare Regeln, fester Blick. Einer, der weiß, wo hier die Ordnung wohnt. Der Becher dürfe nur draußen getrunken werden. Vorschrift. Punkt.

Es ist faszinierend, wie schnell aus Kaffee Macht wird.
Aus Porzellan Menschenwürde.

Ich erkläre ruhig, warum ich sitzen möchte. Es geht um ein Gespräch. Um einen Moment. Um Respekt, wenn man so will. Er hört nicht zu. Hören ist nicht vorgesehen. Er kommt näher. Sehr nah. Nase an Nase. Zwei Köpfe größer. Der Körper übernimmt das Argument.

Was wollen Sie?

Das ist keine Frage. Das ist ein Platzverweis in Satzform.

Dann schubst er mich.
Nicht stark. Nicht spektakulär. Gerade so viel, dass klar ist: Ich kann das. Und du nicht.

Hoppla.

In diesem Moment sind wir nicht mehr Kunde und Wirt. Wir sind etwas sehr Zeitgemäßes: zwei gekränkte Narzissten im Nahbereich. Einer mit institutioneller Macht, der andere mit Restwürde. Keine gute Mischung.

Das Wort fällt. Unschön. Unvermeidlich.
Arschloch.

Es ist kein mutiges Wort. Es ist ein Notwort.
Eines, das sagt: Ich lasse mich nicht lautlos entsorgen.

Das Hausverbot kommt sofort. Natürlich. Ordnung muss sein. Gewalt darf bleiben, aber bitte keine Beleidigungen.

Am Ende sitzen wir draußen.
Der Becher dampft. Die Patientin auch, innerlich.
Wir trinken. Wir reden. Mit Mühe. Mit Kälte. Mit einem Nachhall von Adrenalin, der sich nur langsam legt.

Später denke ich, dass diese Szene eigentlich gut gepasst hat.
Sie erzählt viel über unsere Gegenwart. Über Macht, die sich klein macht, indem sie schubst. Über Regeln, die Beziehung ersetzen. Und über Würde, die manchmal an einem Becher hängt – und daran, ob man ihn fallen lässt oder festhält.

Der Kaffee war übrigens gut.
Der Becher auch.

Manches erledigt sich nicht.
Es setzt sich nur.

 

Autorennotiz

Teilnehmende Beobachtung.
Ein Becher, ein Schubs, zwei Narzissten.
Keiner unschuldig, einer mit Hausrecht.

(Rückblickend: Kaffee im Becher bleibt Kaffee. Kränkung nicht.)
2026

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