Literatursammlung Gesellschaft und Seele

Psychodynamische Essays und theoretische Grundlagen


1. Wilfred R. Bion (1962)

Werk (Originaltitel): Learning from Experience
Deutsche Ausgabe: Erfahrungen in der Gruppe und andere Schriften (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1971)
Themen-Schwerpunkt: Containment, projektive Identifizierung, Wahrnehmung von Wahrheit.
Zentrale Idee:

"The function of the container is to transform unmanageable emotional experiences into elements that can be thought about."
(Die Funktion des Containers besteht darin, unverarbeitbare emotionale Erfahrungen in Elemente zu verwandeln, über die nachgedacht werden kann.)
Verwendung im Essay: In Das Magnetfeld der Veränderung als theoretische Basis für die Metapher des Magnetfelds und die therapeutische Funktion des Haltens destruktiver Affekte.
Seiten: Kap. 2–3, insb. S. 85 ff.


2. Donald W. Winnicott (1958)

Werk (Originaltitel): The Maturational Processes and the Facilitating Environment: Studies in the Theory of Emotional Development
Deutsche Ausgabe: Reifungsprozesse und fördernde Umwelt (Frankfurt a. M.: Fischer, 1984)
Themen-Schwerpunkt: Holding, „good-enough mother“, True Self / False Self, Entwicklungssicherheit.
Zentrale Idee:

"It is axiomatic that when things go well, the infant has no means of knowing what is being properly provided and what is being prevented."
(Wenn alles gut verläuft, hat das Kind keine Möglichkeit zu erkennen, was richtig bereitgestellt und was verhindert wird.)
Verwendung im Essay: In Das Magnetfeld der Veränderung und Die Verblendung der Wahrheit zur Beschreibung des psychischen Halteraums in Familie und Gesellschaft.
Seiten: S. 51–60.


3. Melanie Klein (1946)

Werk (Originaltitel): Notes on Some Schizoid Mechanisms
Deutsche Ausgabe: Bemerkungen über einige schizoid Mechanismen (in: Beiträge zur Psychoanalyse 1921–1945, Stuttgart: Klett-Cotta, 1986)
Themen-Schwerpunkt: Spaltung, Verleugnung, projektive Identifizierung, depressive Position.
Zentrale Idee:

"Splitting of the ego and the object is a defense against anxiety, but it also prevents integration."
(Die Spaltung des Ichs und des Objekts ist eine Abwehr gegen Angst, verhindert jedoch Integration.)
Verwendung im Essay: In Die Verblendung der Wahrheit als Grundlage für die Erklärung kollektiver und individueller Abwehrprozesse (z. B. in politischen und familiären Kontexten).
Seiten: S. 99–122.


4. Otto F. Kernberg (1975)

Werk (Originaltitel): Borderline Conditions and Pathological Narcissism
Deutsche Ausgabe: Borderline-Störungen und pathologischer Narzissmus (Stuttgart: Klett-Cotta, 1978)
Themen-Schwerpunkt: Identität, Übertragung, primitive Abwehrmechanismen, Integration von Selbst- und Objektrepräsentanzen.
Zentrale Idee:

"Therapeutic progress depends on the integration of split-off parts of self and object representations within the transference relationship."
(Therapeutischer Fortschritt hängt von der Integration abgespaltener Selbst- und Objektanteile innerhalb der Übertragungsbeziehung ab.)
Verwendung im Essay: In Die Verblendung der Wahrheit und Das Magnetfeld der Veränderung zur Deutung von Widerstand, Spaltung und Neuordnung in therapeutischen und gesellschaftlichen Systemen.
Seiten: Kap. 4–6, insb. S. 185–210.


5. Janine Chasseguet-Smirgel (1970 / 1983)

Werk (Originaltitel): Female Sexuality: New Psychoanalytic Views / The Ego Ideal: A Psychoanalytic Essay on the Malady of the Ideal
Deutsche Ausgaben: Die Anatomie der Perversion (Frankfurt a. M.: Fischer, 1983)
Themen-Schwerpunkt: Narzissmus, Idealbildung, Identität, Geschlechterdifferenz, Grenzen des Ich-Ideals.
Zentrale Idee:

"The utopian illusion of limitless perfection leads to the denial of human limitation and difference."
(Die utopische Illusion grenzenloser Vollkommenheit führt zur Verleugnung menschlicher Begrenzung und Unterschiedlichkeit.)
Verwendung im Essay: In Wie halten wir Veränderung aus, ohne uns selbst zu verlieren? – als Bezugspunkt für die gesellschaftlichen Auflösungsprozesse von Identität und Geschlechtergrenzen.
Seiten: Kap. 2–3, insb. S. 64–82.


Diese Literatursammlung wird fortlaufend ergänzt, insbesondere bei neuen Essays und theoretischen Bezügen (z. B. Freud, Segal, Bachelard, Fromm, Bollas u. a.).

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