Manchmal beginnt ein Gedanke mit einer Serie. Ich erinnere mich an einen Abend, an dem ich It’s okay to not be okay einschaltete, ohne große Erwartungen, eher aus Neugier. Und dann blieb ich hängen. Nicht wegen der Handlung, sondern wegen einer Figur, die sich jeder Eindeutigkeit verweigert. Eine Frau, zornig, verletzlich, überdreht, manchmal kaum auszuhalten. Sie schreit, sie provoziert, sie stößt ab. Und dann sitzt sie plötzlich da und zeichnet Kinderbücher von einer Schönheit, die fast schmerzt. Zarte Linien, melancholische Farben, Bilder, die nichts erklären und trotzdem alles sagen. Man möchte länger hinschauen, obwohl – oder gerade weil – sie einen nicht beruhigen.

Ich weiß noch, wie ich diese Bücher im Film regelrecht studiert habe. Ich wollte wissen, was sie zeigen. Welche Geschichten darin wohnen. Es sind keine tröstlichen Bilder. Eher solche, die etwas offenlassen, die einen Raum erzeugen, in dem man sich selbst begegnet. Schönheit ohne Niedlichkeit. Nähe ohne Versprechen. Und ich dachte: So sieht es aus, wenn der Schatten lebt. Nicht als Bedrohung, sondern als Teil von etwas Größerem. Als Quelle von Tiefe, von Kreativität, von Wahrhaftigkeit.

Diese Figur war mir vertraut, lange bevor ich sie kannte. Nicht in dieser Lautstärke vielleicht, nicht in dieser Zuspitzung, aber in ihrem inneren Aufbau. Während ich die Bilder noch im Kopf hatte, dachte ich an eine Jugendliche, die mir seit einiger Zeit gegenübersitzt. Sie ist nicht laut. Keine Provokation, kein Drama. Eher das Gegenteil. Sie hört zu, denkt nach, sorgt sich. Für andere. Oft zu früh, oft zu viel. Sie kann ihre inneren Zustände erstaunlich präzise beschreiben, als hätte sie jahrelang gelernt, sich selbst von außen zu betrachten.

Es ist beeindruckend. Und manchmal auch beunruhigend. Sie ist kreativ, sensibel, aufmerksam. Eine von denen, bei denen man merkt, dass sie viel gesehen hat, ohne dass man genau sagen könnte, was. Ihre Worte sind sorgfältig gewählt, als dürften sie niemanden verletzen – am wenigsten sich selbst. Und doch richtet sich vieles genau dorthin. Wenn sie von Beziehungen spricht, klingt darin oft etwas mit, das man als Selbstverzicht bezeichnen könnte. Sie bleibt, wo es ihr nicht guttut, weil sie versteht, warum der andere so ist. Verständnis ist ihre größte Ressource. Und ihre größte Gefahr.

Manchmal wünsche ich mir, sie wäre ein bisschen böser. Nicht grausam. Nur klarer. Ein Nein, das nicht sofort wieder erklärt wird. Eine Aggression, die nicht nach innen abbiegt. Und wieder denke ich an diese Kinderbücher. An ihre Schönheit, die nichts glättet. An Bilder, die nicht heilen wollen, sondern zeigen. Sie ist nicht der Schatten. Sie ist das Buch, das entsteht, wenn Aggression keinen Ort findet, an dem sie laut sein darf.

Vielleicht liegt darin etwas, das man nicht vorschnell auflösen sollte. Nicht jede Dunkelheit will beseitigt werden. Manche will bewohnt sein. Und nicht jede Zartheit ist harmlos. Manche ist das Ergebnis einer langen inneren Arbeit, die niemand sieht.

Ich klappe den Gedanken nicht zu. Ich lasse ihn liegen. Wie ein Buch, das man nicht sofort versteht – und genau deshalb nicht weglegt.

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