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Autismus Spektrum Störung

Kinder mit einer Autismus Spektrum Störung (ASS) fallen häufig im Kindergartenalter erstmals deutlich durch sozial und emotional unangemessenes Verhalten auf. Sie haben kein Interesse an anderen Kindern und am gemeinsamen Spiel, verstehen keine sozialen Signale und sind kaum in die Gruppe integrierbar. Die Sprachentwicklung muss nicht verzögert sein. Das Sprechen selbst wirkt manchmal gekünstelt, die Stimme ist häufig unangemessen laut und wenig moduliert. Eine eingeschränkte Gestik und Mimik lassen die Betroffenen befremdlich auf andere wirken. Übertragene Bedeutungen können sie nur eingeschränkt oder gar nicht entschlüsseln. Charakteristisch sind auch stereotype Verhaltensweisen sowie auffällige Interessen und Aktivitäten. Die Intelligenz ist nicht unmittelbar betroffen, kann also in allen Bereichen angesiedelt sein. Manche Patienten weisen Inselbegabungen auf, d.h. sie verfügen in besonderen Gebieten, z.B. in mathematisch-naturwissenschaftlichen und technischen Fächern, im Zeichnen oder in der Musik über ausgezeichnete Fertigkeiten, während in vielen anderen Bereichen deutliche Einschränkungen vorliegen. Die motorische Geschicklichkeit ist eher unterdurchschnittlich. Größtes Problem für die Betroffenen ist und bleibt die mangelnde soziale Kompetenz. Sie können sich kaum auf andere Menschen einstellen oder gar in diese hineinversetzen, nur sehr schwer mit anderen zusammenarbeiten und nehmen deren Wünsche und Bedürfnisse nicht wahr. Da ihnen ihre Einschränkungen nicht anzusehen sind, trifft ihr Verhalten meist auf völliges Unverständnis in ihrem Umfeld. Schon in der Schule kommt es deswegen häufig zu erheblichen Schwierigkeiten, eine berufliche Tätigkeit, in der Dienstleistungsbereitschaft, Kundenorientierung und Teamfähigkeit einen hohen Stellenwert aufweisen, kann häufig nicht ohne intensive Förderungs- und Begleitmaßnahmen stattfinden.

Diagnostik

Zur Diagnosestellung muss eine gründliche kinder- und jugendpsychiatrische Untersuchung inkulsive körperlich-neurologischer Untersuchung, Entwicklungs- und Intelligenzdiagnostik, Hör- und Sehprüfung, EEG, ggf Computer- oder Kernspintomographie des Kopfes oder genetischer Untersuchung erfolgen. Daneben werden spezielle "Autismus-Diagnose-Instrumente" in Form von Interviews, Verhaltensbeobachtungen und Fragebögen eingesetzt, z.B. ADOS Test (Diagnostische Beobachtungsskalen für Autistische Störungen). Ganz wichtig ist es, begleitende psychische (und körperliche) Erkrankungen zu erkennen.

Therapie

Eine Heilung gibt es nicht, eine intensive Behandlung kann das Sprachvermögen, die sozialen Fertigkeiten, die Selbstständigkeit und die Anpassung an die Anforderungen des Alltags aber erheblich verbessern. Die Therapie sollte frühzeitig beginnen und konsequent über längere Zeiträume durchgeführt werden. Vor der eigentlichen Therapie steht die Aufklärung von Eltern und Angehörigen, das Ausräumen falscher Vorstellungen und die Entlastung von eventuell vorhandenen Schuldgefühlen. Spezifische Trainingsverfahren zur Anbahnung oder Verbesserung des Sprechens (z.B. PECS = Picture Exchance Communication System, bei dem mittels dem Austausch von Piktogrammen ein Bezug zwischen Dingen und Worten hergestellt wird) haben sich in jüngster Zeit als erfolgreich erwiesen. Allerdings muss schon in den ersten Lebensjahren damit begonnen werden, da nach dem 8. Lebensjahr kaum noch mit dem Sprechen begonnen wird. Auch zur Entwicklung von sozialen Fertigkeiten stehen spezifische Förderungsprogramme bereit (z.B. FEFA = Frankfurter Test und Training des Erkennens von fazialem Affekt, ein Computerprogramm, mit dem die Interpretation verschiedener Gesichtsausdrücke unterschiedlich gelaunter Personen eingeübt wird). Heilpädagogische und verhaltenstherapeutische Maßnahmen spielen insgesamt eine wesentliche Rolle bei der Therapie autistischer Kinder und Jugendlicher. Dabei geht es in der Therapie oftmals verstärkt darum, mehr Wissen und Fähigkeiten bezüglich sozialer Interaktion nahe zu bringen (z. B. Mimik und Gestik erkennen und deuten zu können). Sowohl eine Einzel- als eine auch Gruppentherapie kann hierbei angewandt werden. Gemeinsam mit Eltern und Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Ausbildungsstellen sollten individuelle Hilfestellungen für den Alltag erarbeitet werden. Bei ausreichendem Entwicklungsalter und hinreichender Intelligenz kann ein soziales Kompetenztraining eine wertvolle Hilfe sein, die Auswirkung des eigenen Verhaltens auf die Umwelt durch die Rückmeldungen aus der Gruppe besser wahrzunehmen und einzuschätzen. Externe Hilfen in Form von Förderprogrammen und Schul- oder Berufsbegleitern müssen im Bedarfsfall eingerichtet werden. Festhaltetherapien oder gestützte Kommunikation sind weit verbreitet, haben ihre Wirksamkeit aber nie belegen können und sind nicht empfehlenswert. Mittlerweile haben sich engagierte Selbsthilfegruppen formiert (z.B. Aspies e.V.), die auch ausführliches Informationsmaterial zur Verfügung stellen. Eine medikamentöse Behandlung ist besonders wichtig bei selbstschädigendem und aggressivem Verhalten (hier spielen atypische Neuroleptika eine zentrale Rolle), häufig auch notwendig bei beeinträchtigter Stimmungslage. Zusätzliche Störungen wie z.B. ADHS sollten unbedingt fachgerecht behandelt werden, da hierdurch häufig erst die Basis geschaffen werden kann, um bestmöglich an den autistischen Verhaltensweisen zu arbeiten.

Frühkindlicher Autismus:

Unter dem frühkindlichen Autismus versteht man eine abnorme oder beeinträchtigte Entwicklung, die sich vor dem dritten Lebensjahr manifestiert.

Die Störung ist gekennzeichnet durch eine gestörte Funktionsfähigkeit in der sozialen Interaktion, der Kommunikation und im eingeschränkten repetitiven Verhalten.

  • Kinder mit diesem Störungsbild sind sprachlich massiv eingeschränkt, ca. 30 % können sich lautsprachlich nicht äußern.

  • Weiterhin fällt ein Fehlen von Reaktionen auf Emotionen anderer Menschen auf.

  • Zudem kann in der frühen Kindheit eine spezifische Bindung an ungewöhnliche, typischerweise nicht weiche Objekte auftreten.

  • Auch stereotype Beschäftigungen, beispielsweise mit Daten, Fahrtrouten oder Fahrplänen können Teil der Erkrankung sein, ebenso zählen motorischen Stereotypien zu den Symptomen.

  • Es kann Unfähigkeit bestehen, Blickkontakt, Mimik, Körperhaltung und Gestik zur Regulation sozialer Interaktion zu verwenden.

  • Es kann weiterhin eine Unfähigkeit auftreten, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzunehmen.

  • Auch der Mangel an einer sozio-emotionalen Gegenseitigkeit (Empathie) gehört typischerweise zu  den Symptomen des frühkindlichen Autismus.

  • Weiterhin besteht meist ein Mangel, spontan Freude, Interessen oder Tätigkeiten mit anderen zu teilen.

Asperger Syndrom

Diese Störung ist ebenso durch Beeinträchtigungen der gegenseitigen sozialen Interaktion charakterisiert, hinzu kommt ein Repertoire eingeschränkter, stereotyper, sich wiederholender Interessen und Aktivitäten.

Diese Störung unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus vor allem durch das Fehlen einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung. Meist liegt kein Entwicklungsrückstand der Sprache vor, die meisten Patienten besitzen eine normale allgemeine Intelligenz, sind jedoch üblicherweise motorisch auffällig ungeschickt.