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Mutismus

"Erich braucht nicht zu reden, weil sein geheimer Freund, der Nachtschimmi, für ihn spricht. Doch dann lernt er Marisa kennen. Sie stellt keine Fragen und akzeptiert ihn so, wie er ist. Zuerst fällt es ihm schwer sich von Nachtschimi zu trennen, doch schließlich hat er Marisa so viel zu erzählen."

 

Mutismustische Kinder zeigen ein beharrliches Nichtsprechen, obwohl sie das eigentlich können. Diese Kinder schweigen nicht immer. Vielmehr hängt es von den sozialen Umständen ab, wann und wie viel sie sagen. Sie können wie andere Kinder reden; sie tun dies jedoch nur in ausgewählten Situationen. Mutistische Kinder fordern nicht nur uns, sondern auch ihre Bezugspersonen wie Eltern, Lehrer und Erzieher besonders heraus, da sie bei ihnen vielfältige widerstreitende Gefühle und häufig auch Zweifel an ihren Fähigkeiten auslösen. Man unterscheidet zwischen vollständigem und elektivem Mutismus. Beim elektiven Mutismus reden Kinder nur in bestimmten Situationen (z. B. nur mit der Mutter oder mit anderen Kindern oder Geschwistern), wobei sie da dann oft ausgeprägte Rede- und Bewegungsfreude zeigen. Es hat natürlich heftige negative Folgen, wenn ein Kind in manchen Lebensbereichen nicht spricht. Gleichzeitig bekommt es aber auch viel negative Aufmerksamkeit, was die Problematik wieder verstärken kann. In der Schule kommt es meist zu einem starken Leistungsabfall. Die Beziehung zu den Eltern oder zu anderen Bezugspersonen ist meist stark belastet.

 

Elektiver Mutismus bezeichnet in der Kinder- und Jugendpsychiatrie eine emotional bedingte psychische Störung. Nach der ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation ist er den Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend zuzuordnen, bei welchen es sich um Abweichungen in der sozialen Funktionsfähigkeit und im Beginn der Entwicklungszeit handelt.

 

Im ICD-10 wird der (s)elektive Mutismus (F94.0) wie folgt definiert:

„Diese Störung ist durch eine deutliche, emotional bedingte Selektivität des Sprechens charakterisiert, so dass das Kind in einigen Situationen spricht, in anderen definierbaren Situationen jedoch nicht. Meist ist der Mutismus mit deutlichen Persönlichkeitsbesonderheiten wie Sozialangst, Rückzug, Empfindsamkeit oder Widerstand verbunden. Typischerweise spricht das Kind zu Hause oder mit engen Freunden, ist jedoch in der Schule oder bei Fremden mutistisch.

Folgende Diagnosen müssen ausgeschlossen werden: Passagerer Mutismus als Teil einer Störung mit Trennungsangst bei jungen Kindern (F93.0), Schizophrenie (F20.-), Tiefgreifende Entwicklungsstörungen (F84.-), Umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache (F80.-)

 

Eines der größten Probleme ist das Erkennen von Mutismus, da die Kinder mit vertrauten Personen meist sprechen. Häufig schweigen sie vor allem im Kindergarten oder in der Schule. Das Schweigen tritt also meist nur gegenüber bestimmten Menschen oder in spezifischen Situationen auf.

Häufig wird dieses elektive Schweigen mit Schüchternheit verwechselt. Der Unterschied besteht darin, dass schüchterne Kinder antworten, wenn sie angesprochen werden oder von sich aus verbal in Kontakt treten, wenn sie sich wohler fühlen, während mutistische Kinder nicht bewusst darüber entscheiden, ob sie sprechen oder schweigen.

Eine direkte Ursache ist nicht bekannt. Es können sowohl psychologische und physiologische Faktoren, als auch eine gegenseitige Ergänzung zur Sprechverweigerung führen.

 

Leitsymptome

  • Selektivität des Sprechens: In einigen sozialen Situationen spricht das Kind fließend, in anderen sozialen Situationen bleibt es jedoch stumm oder fast stumm.
  • Konsistenz bezüglich der sozialen Situationen, in denen gesprochen bzw. nicht gesprochen wird.
  • Häufiges Einsetzen nonverbaler Kommunikation (Mimik, Gestik, schriftliche Aufzeichnungen) durch das Kind
  • Dauer der Störung über mindestens einen Monat
  • Altersentsprechende Kompetenz im sprachlichen Ausdruck der situationsabhängigen Sprache

Die Hör- und Sprechfähigkeit ist erhalten, d.h. es liegen keine peripher-impressiven oder peripher-expressiven organischen Störungen vor sowie keine zentralen Schädigungen der am Sprechvorgang beteiligten Sprachzentren vor.

 

Therapieformen

Vor allem bei kleineren Kindern mit mutistischer Störung empfiehlt sich eine Spieltherapie. In der Spieltherapie wird das Spiel als ein natürliches Medium zur Selbstdarstellung verstanden. Dem Kind wird die Möglichkeit geboten, angesammelte Gefühle von Spannungen, Frustrationen, Unsicherheit, Angst, Aggression und Verwirrung "auszuspielen".

Die Verhaltenstherapie geht mehr von einem erlernten Verhalten aus. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf beobachtbarem Verhalten und dessen Veränderung.

 

Literatur

Gauß, A. (2013): Der Junge in der Nussschale: Eine Geschichte, die schweigenden, stotternden und schüchternen Kindern Mut macht. Iskopress Verlag.  

Links zum (S)elektiven Mutismus:

Hartmann, B.; Lange, M. (2007): Mein Kind hat Mutismus. Die zehn wichtigsten Fragen.

http://www.mutismus.de/informationen-und-aufklaerung/10-faqs-zum-mutismus

Schwarz, C (2012): Eingesperrt im Gefängnis des Schweigens www.welt.de/gesundheit/psychologie/article106206345/Eingesperrt-im-Gefaengnis-des-Schweigens.html